Klöster in Baden-Württemberg
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Benediktinerabtei St. Georg Ochsenhausen - Geschichte
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Abbildung  Button Die Abtei. Gemälde von 1746/58.
Nach Bernold von St. Blasien (+ 1100) stifteten die Brüder von Wolfertschwenden den Ort Ochsenhausen an das Kloster St. Blasien (Sept. 1093: Weihe von Kirche und Kloster). In den Anfängen existierte das Priorat als Doppelkloster. St. Blasien orientierte sich an den monastischen, von Cluny geprägten Gewohnheiten des Klosters Fruttuaria (Piemont). Von großer Bedeutung für das monastische Leben in Ochsenhausen war das auf dem Konzil von Konstanz im Kloster Petershausen beschlossene Reformprogramm (1417).
Nach reichen Güterschenkungen (vor allem unter Prior Heinrich von Zwiefalten [1238-1262]) gelang es Ochsenhausen bis in das 18. Jh., größere Gebietskomplexe mit den Ämtern Ummendorf-Fischbach, Tannheim, Ochsenhausen und Sulmetingen auszubauen. Durch Inkorporationen und Patronate übernahm das Kloster die Seelsorge in zahlreichen Pfarreien (Steinhausen/Rottum, Ringschnait, Reinstetten, Tannheim u.a.).
Papst Bonifaz IX. erhob 1391 das Ochsenhausener Priorat zur selbständigen Abtei (Emanzipation vom Mutterkloster St. Blasien). Erster Abt wurde der letzte Prior Nikolaus Faber (Schmid, 1388-1392). Papst Alexander VI. verlieh den Äbten 1495 die Pontifikalien.
Die Schirmvogtei lag im Besitz der Welfen, seit 1191 bei den Staufern. 1343 erhielt die Reichsstadt Ulm die kaiserliche Schutz- und Schirmvogtei, die 1548 an Österreich überging. Im Kraftfeld des habsburgischen Einflussbereichs konnte die Abtei ihren Status als freie Reichsabtei bis 1802 behaupten.
Die Streitigkeiten mit den Untertanen führten im so genannten "Untertanenvertrag" (1502) zur endgültigen Regelung der Erb- und Besitzrechte. Nach der militärischen Besetzung Ochsenhausens durch die Reichsstadt Ulm (1546) und unter kaiserlich-österreichischem Druck musste Abt Georg Müller (1541-1547) 1547 sein Amt an den einflussreichen Abt Gerwig Blarer von Weingarten (1520-1567) resignieren. Unter den Äbten Johannes Lang (1613-1618) und Bartholomäus Ehinger (1618-1632) gelang endgültig die vom Konzil von Trient geforderte Restauration der benediktinischen Ordensdisziplin. 1632 flüchteten die Konventualen vor den herannahenden Schweden; wiederholt kam es im 30-jährigen Krieg zu Plünderung und Brandschatzung. Nach dem Westfälischen Frieden (1648) stellten sich bald die wirtschaftliche Konsolidierung und rege Bautätigkeit bis zum Ende des 18. Jh. ein.
Das konfessionelle Zeitalter erforderte in den Klöstern auch eine Neuorientierung im Bildungswesen. Mit anderen schwäbischen Abteien war Ochsenhausen 1542 an der Gründung der Höheren Schule in Legau/Ottobeuren/Elchingen beteiligt. Bis zu den Schwedeneinfällen (1632) ließ man sich vom Reformgeist der Jesuiten an den Universitäten Dillingen und Freiburg/Br. inspirieren. Nach deren Vorbild eröffnete Abt Bartholomäus Ehinger 1623 auf Schloss Ummendorf eine "Hohe Schul" (philosophisch-theologisches Studium), die (wiedereröffnet nach dem 30-jährigen Krieg) bis Ende der 1650er Jahre existierte. Seit dem späten 17. Jh. übte die Benediktiner-Universität Salzburg auf Ochsenhausen eine besondere Anziehungskraft aus; das Kloster erhielt entscheidende Impulse im Höheren Schulwesen und für die Pflege von Kunst und Wissenschaft. Das Gymnasium und das philosophisch-theologische Hausstudium zur Ausbildung des größeren Teils des Ordensnachwuchses war ebenfalls eine bedeutende ´Pflanzstätte´ der Bildung. Als Höhepunkte im Schuljahr galten feierliche Disputationen (Anfertigung wertvoller Thesenblätter), Schulkomödien und die Klostermusik. Abt Placidus Kobolt (1681-1689) erwarb 1684 ein komplettes Theater mit wertvollen Kulissenbildern.
Die Äbte Benedikt Denzel (1737-1767) und Romuald Weltin galten als Mäzenaten der Bibliothek und Förderer der Naturwissenschaften. So begann unter Abt Denzel der Aufbau einer physikalischen Instrumentensammlung (Armarium). Der nach Plänen des Neresheimer Architekten Thomas Schaidhauf 1785 begonnene Bau des Bibliothekssaals sollte nach dem Willen von Abt Weltin der universale Sitz göttlicher und weltlicher Weisheit sein. Noch vor der Säkularisation wurde ein zehnbändiger (heute verlorener) Bibliothekskatalog erstellt. Gefördert von Abt Weltin errichtete P. Basilius Perger 1788 ein astronomisches Observatorium. Die erste gedruckte Klostergeschichte erschien 1829 aus der Feder des ehemaligen Konventualen Georg Geisenhof.
In der barocken Festkultur bildeten das Kirchenjahr, die Ordensfesttage (z. B. St. Benedikt), die hohen Marienfeste, die Kirchenpatrone (St. Georg und Blasius) und die weltlichen Klosterfeste (z. B. Neujahr, Abtsjahrtag) die Höhepunkte im Jahreslauf. Zur kirchlichen Kultur gehörte seit dem Spätmittelalter das Bruderschaftswesen. An der Klosterkirche waren vier Bruderschaften beheimatet: die Sebastians- (gegen Ende des 15. Jh.), Rosenkranz- (1650), Skapulier- (1679) und die Benediktsbruderschaft (1686). Eine besondere Bedeutung gewann die Reliquienverehrung durch den Einfluss der Jesuiten, vor allem die Verehrung von Katakombenheiligen. 1623 konnte Ochsenhausen die Reliquien der Märtyrer Innozenz, Maximian und Emmerentiana erwerben, 1691 folgte die vierte Märtyrerin Justina. Sie galten als die 'neuen' Kirchenpatrone, deren Kult zuletzt unter Abt Denzel gefördert wurde. Eine blühende Marienwallfahrt mit einer spätmittelalterlichen Pietà (Gnadenbild) unterhielt Ochsenhausen in der inkorporierten Pfarrei Steinhausen/Rottum. Zu den weiteren gepflegten Wallfahrtstraditionen gehörten vor allem die Schwarze Madonna von Einsiedeln und die gute Beth von Reute. Zu vielen Frauen- und Männerklöstern in Schwaben unterhielt der Konvent Gebetsverbrüderungen, bei denen eine besondere Form des gegenseitigen Totengedenkens gepflegt wurde.
In Folge der Säkularisation musste der letzte Abt und Direktor des Schwäbischen Reichsprälatenkollegiums, Romuald Weltin (1767-1802, + 1805), 1802 das Kloster verlassen; er residierte bis zu seinem Tod auf Schloss Obersulmetingen. Das Klosterterritorium belief sich derzeit auf 255 Quadratkilometer und 8.665 Einwohner. Im Reichsdeputationshauptschluss erhielt Franz Georg Graf von Metternich-Winneburg-Beilstein den größten Teil des Klosterterritoriums (mit Ausnahme von Tannheim und Winterrieden) zugesprochen. Das Haus Metternich verkaufte 1825 den Ochsenhausener Besitz um 1,2 Mio. Gulden an das Königreich Württemberg. Fortan diente das ehemalige Kloster u. a. als Ackerbauschule (1842), Waisenhaus (1868), Lehrerinnenoberschule (1945) und Staatliches Aufbaugymnasium (bis 1990). Seit 1989 befindet sich in den ehemaligen Konventsgebäuden die Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg. Im Fürstenbau sind die städtische Joseph-Gabler-Hauptschule und seit August 1999 das Klostermuseum untergebracht.
Die Klosteranlage wurde nach der Trennung vom Mutterkloster St. Blasien im 15. Jh. grundlegend neu gestaltet. Abt Michael Rysell (1434-1468) errichtete den gotischen Kreuzgang, die Prälatur, den Kirchturm und die Friedhofskapelle St. Veit. Unter Abt Simon Lengenberger (1482-1498) erfolgte zwischen 1489 und 1495 der Bau der spätgotischen dreischiffigen Säulenbasilika. Die 1495 geweihte Kloster- und Pfarrkirche erhielt u.a. einen heute nicht mehr erhaltenen, spätgotischen Hochalter des Ulmer Bildhauers Niklaus Weckmann und ein 1514 errichtetes Chorgestühl von Jörg Syrlin d. J. (1646 von den Schweden zerstört). Die Prälatur wurde von Abt Andreas Sontag (1567-1585) mit einer prachtvollen Kassettendecke des Memminger Meisters Thomas Heidelberger und mit üppig dekorierten Türrahmen mit Passionsreliefs ausgestattet.
Abt Johannes Lang begann 1615 mit Hilfe des Jesuitenarchitekten Stephan Huber mit dem Bau eines neuen, großzügigen Konventgebäudes. Nach dem 30-jährigen Krieg errichtete Abt Alphons Kleinhans (1658-1671) einen Kapitelsaal, ließ den spätgotischen Hochaltar in der Klosterkirche durch ein frühbarockes Werk ersetzen und brachte zudem die finanziellen Mittel für ein neues Gästehaus auf. Der große Marienverehrer, Abt Balthasar Puolamer (1671-1681), errichtete 1678 im Hof vor der Klosterkirche eine (erste) Mariensäule, legte 1672 den Grundstein für die neue Pfarr- und Wallfahrtskirche in Steinhausen/Rottum und baute 1679 eine neue Friedhofskapelle. Abt Kobolt verdankt die Klosterkirche das barocke Chorgestühl des ostschwäbischen Meisters Ferdinand Zech (1687). Abt Franziskus Klesin (1689-1708) erhöhte 1687 den Glockenturm von 1459 und ließ drei neue Altäre in der Klosterkirche aufbauen (Kreuz-, Marien- und Sebastiansaltar). Unter Abt Hieronymus Lindau (1708-1719) folgten die Aufstockung des Gästehauses (1712), der Bau des Fruchtkastens (1715) und 1717 die neue Mariensäule. Die drei herausragenden Bauprälaten des 18. Jh. waren Cölestin Frener (1725-1737), Benedikt Denzel und Romuald Weltin. Abt Frener setzte sich mit der Barockisierung der Klosterkirche (1725-1732), der konkav geschwungenen Westfassade von Christian Wiedemann, den Fresken von Johann G. Bergmüller und Joseph A. Huber, dem Stuck von Gaspare Mola und der Hauptorgel von Joseph Gabler (1728-1734) ein Denkmal. Abt Denzel ergriff ab 1738 bauliche Maßnahmen am alten Konventgebäude. Nach Plänen von Johann M. Fischer erhielt die Ostfassade ein Frontispiz mit einem Mittelrisalit (um 1740) und ein repräsentatives Treppenhaus mit einem Deckengemälde von Johann G. Bergmüller (1740-1746); ein zweites Treppenhaus befindet sich in der Mitte des Südflügels, ausgemalt von Franz X. Forchner. Aegid Verhelst fertigte eine prächtige Rokoko-Kanzel zu Ehren des Ordensstifters Benedikt (1742). Die "Gabler-Orgel" wurde bereits nach 30 Jahren vom Meister selbst renoviert. Mit der Errichtung des klassizistischen Bibliothekssaales (ab 1785) mit Fresken von Joseph A. Huber und dem Bau der Sternwarte (1788) unter Abt Weltin ging die Bautätigkeit des Klosters zu Ende. Zwischen 1974 und 1990 wurde die ehemalige Klosteranlage vom Land Baden-Württemberg umfassend saniert.
KONSTANTIN MAIER     
LITERATUR
-<ERZBERGER> 363ff.
- <Württ. Klosterbuch> 372-375 (K. MAIER).
- <GermBen> V, 454-464 (H. OTT).
- <KB Biberach> II, 470-474.
- <KDW Biberach> 164-205.
- G. GEISENHOF: Kurze Geschichte des vormaligen Reichsstifts Ochsenhausen in Schwaben, verfasst von einem Mitgliede desselben. Ottobeuren 1829.
- H.-J. REIFF / G. SPAHR / D. HAUFFE: Kloster Ochsenhausen. Geschichte, Kunst, Gegenwart. Biberach 1985.
- M. HEROLD (Hg.): Ochsenhausen. Von der Benediktinerabtei zur oberschwäbischen Landstadt. Weißenhorn 1994 (mit weiterführender Literatur).
- J. MAYR: Joseph Gabler. Orgelmacher. Biberach 2000.
QUELLEN
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart B 361: Schwäbische Benediktinerkongregation
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart B 362: Schwäbisches Reichsprälatenkollegium
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart B 481: Ochsenhausen, Benediktinerkloster
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart B 481 L: Ochsenhausen, Benediktinerkloster
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 14 Bd. 192-196a, 389: Diplomatare
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 22: Oberämter: Biberach
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 230: Lagerbücher der Klöster und Stifte: Oberndorf-Öhringen
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 32: Oberämter: Laupheim
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 52 U 26, 34-36: Bemalte Urkunden
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart N 11: Land- und Flurkarten betreffend Neuwürttemberg
-Hauptstaatsarchiv Stuttgart N 26: Karten des Benediktinerklosters Ochsenhausen und des Fürstentums Ochsenhausen der Fürsten von Metternich-Winneburg
-Generallandesarchiv Karlsruhe 100: Sankt Georgen, Kloster, Amt und Ort
-Generallandesarchiv Karlsruhe 125: Ritterkanton Kraichgau
-Generallandesarchiv Karlsruhe 225: Überlingen, Stadt
-Generallandesarchiv Karlsruhe 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte
-Generallandesarchiv Karlsruhe 98: Salem
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